Der Körper ist unser erstes Instrument, mit dem wir unsere Inhalte äussern. Der Einfluss der Bewegungsqualität auf das Musizieren kann nicht überschätzt werden.

Im Zentrum meines Interesses steht was ich Aufspannung nenne: Es ist der Mechanismus, mit dem der Organismus auf Kräfte reagiert, die von innen und aussen auf ihn wirken.

Kräfte sind Wirkungen, die in einer bestimmten Richtung und mit einer bestimmten Stärke arbeiten.

Der Muskel ist das Element des Organismus, das Kräfte aktiv erzeugt. Er verbindet zwei andere Elemente des Körpers (z.B. Sehnen), und indem er sich verkürzt zieht er diese gegenseitig zusammen. Er kann nur wieder in seine vorherige Länge zurückfinden, wenn er von aussen auseinandergezogen wird, d.h. wenn sich die beiden Elemente  wieder voneinander entfernen. Das bedeutet, dass der Muskel so eingespannt sein muss, dass er leicht (vor-) gespannt ist, sodass er bei Bedarf unmittelbar arbeiten und andererseits dosiert nachgeben kann.

Innere Organe wie z.B. Herz, Magen und Verdauungsorgene ziehen sich bei ihrer Tätigkeit ebenfalls zusammen und können damit analog zu einem Muskel betrachtet werden: Sie sind im Körperraum eingehängt, der für die Rückstellung (und damit für Erholung) sorgt. Es ist das Skelett, das den Rahmen dafür bildet.Das Skelett vergrössert (stabilistert) den Innenraum, indem - vereinfacht gesagt -

  • sich die Wirbelsäule längt, indem sich ihre Kurven vermindern (wobei das Becken und die Beine beteiligt sind)
  • der Brustkorb sich weitet, indem sich die Rippen mit ihrem rückwärtigen Teil seitlich heben (wie die Äste eines Tannenbaums). Dieser Vorgang ist untrennbar mit der Längung der Wirbelsäule gekoppelt.
  • sich der Kopf mit seinem Gesicht (Rachenraum) innerlich vom Hals entfernt als Folge der Verminderung der Halslordose. (Von hier her kann die Beschreibung von Alexanders 'Kopf nach vorne und oben" verstanden werden als konkrete und nachvollziehbare Erfahrung.)
  • Die Gelenke der Gliedmassen werden entlastet und gewinnen eine grössere Länge.

Bewegungen des Körpers verändern ebenfalls die wirkenden Kräfte, die er wieder in den Gesamtzusammenhang bringen (ausgleichen) muss. Heben wir z.B. einen Arme seitwärts, steigen die Anspüche auf die Schultern und damit auf den Torso, und gleichzeitig wandert der Schwerpunkt auf diese Seite, sodass das Bein darunter stärker belastet wird und mehr arbeiten muss.

 

 

 

 

 

 

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wichtigste Kräfte:

  • die Schwerkraft: Die Erde zieht uns zu ihrem Mittelpunkt hin (andauernd und gleichmässig).
  • alle beweglichen Teile und die innere Organe wirken aufeinander.
  • Veränderungen durch Wechsel von Gewicht und Bewegungskräfte (von innen und aussen) müssen übertragen (abgeleitet) und ausgeglichen werden.

Der Körper soll stabil und zugleich auch beweglich sein. Als Mechanismus dafür stehen ihm einerseits Knochen und Gelenke als passive und andererseits Muskeln als aktive Elemente zur Verfügung. Letztere können sich allerdings aktiv nur verkürzen; ihre Verlängerung (Rückstellung) geschieht passiv. Die Lösung besteht in einem System, das sich aufspannen und federnd reagieren kann, unmittelbar und abhängig von den Anforderungen.

Anschauliche Beispiele sind

  • ein Zelt (alter Bauart)
  • ein Regenschirm.
    • drücken wir von oben gibt er nach und kehrt danach (federnd) in seine Augangslage zurück.
    • ist nur ein Gelenk in seiner Funktion eingeschränkt oder ein Stab deformiert ist die Aufspannung sofort eingeschränkt und hat Folgen für die gesamte Struktur. Ein lose Schirmoberfläche könnte nun zur Kompensation zusammengenäht werden. Kommt die Stabstruktur wieder in Ordnung, ändert das am Stoff aber nichts mehr; im Gegenteil muss in der Folge noch mehr an anderen Orten kompensiert werden.
  • Demonstration mit 2 Gummiringen

 

Dies ist, was mit unserem Körper fortlaufend geschieht. Der Aufspannvorgang macht immer das Beste aus dem Vorhandenen.

In unserem (westlich orientierten) Kulturraum sind Menschen mit optimaler Aufspannung (Aufrichtung etc.) kaum zu finden. Nur wenige schaffen es, die Qualität ihres Kindalters, so vorhanden, in die Erwachsenenzeit hinüberzuretten. Für Stimm-Tätigkeiten und Musizieren ist dies aber notwendig.