Das bis heute vorherrschende Maschinenmodell des Menschen hat seinen Ursprung bei Julien Offray de La Mettrie (1709–1751) und ist Grundlage der enormen Fortschritte der Medizin. Ihm entspricht (mittlerweile?) unsere Sprache und unser Denken. Es ist die Welt, wo wir einen Körper haben, wo wir einen Arm bewegen, wo wir die Verspannungen der Hand oder der Schulter durch entspannen der Hand oder der Schulter beheben wollen, oder wo wir eine schwache Rückenmuskulatur trainieren wollen.

Für Musizierende taugt das Machinenmodell allerdings nur rudimantär. Es muss ein zeitgemässes Modell gefunden werden. Betrebungen dafür gibt es schon seit langem, besonders deutlich im Gesangsbereich. Vor 100 und mehr Jahren schon haben sich z.B. Delsarte, F.M. Alexander, Heinrich Jacoby, Elsa Gindler, Mensendieck  damit befasst, um nur einige wenige zu nennen. Leider haben alle diese Arbeitsweisen keine Breitenwirkung entfaltet; leider mit betrüblichen und dabei durchaus behebbaren Auswirkungen.

Ein zeitgemässes Modell müsste aus folgenden aufeinander aufbauenden Ebenen bestehen:

  • physiologische Erkenntnisse des Maschinenmodells einschliesslich der relevanten Physik
  • Erkenntnisse der Integration (Koodination) des Organismus im Hinblick auf Gesamtbewegungen
  • bewusster Umgang damit
  • rein mentales 'Leben' ohne Mitwirkung des Körpers

 

Eigenschaften

  • Jeder Mensch verfügt über alle lebensnotwendigen Anlagen
    • auch aussergewöhnliches Können beruht darauf.
    • sie funktionieren solange sie nicht gestört werden
  • der Mensch funktioniert nach einfachen Gesetzmässigkeiten
    • Die Umsetzung ist komplex und Gegenstand der Forschung
    • Der Kenntnisstand ist zeitgebunden.
  • Einige Anlagen sind latent vorhanden und müssen gefördert werden (Zeitpunkt etc.ist Gegenstand der Forschung)
  • Nicht alle Anlagen oder Ziele eines Individuums werden bzw. können entfaltet werden.
    • Bahnungen, Hemmnisse, Interessen, Umfeld stehen dem entgegen
    • Entfaltung möglich durch
      • Entfernen der Hindernisse
      • Förderung
  • Der Weg jedes einzelnen Menschen ist individuell
  • Alle Anleitungen sind für einen bestimmten Zweck gedacht (sind Krücken) und müssen deshalb nach Erreichen des Ziels weggelegt werden. Sie haben keinen Selbstzweck und dürfen nicht zum Dogma werden. 
  • Das menschliches Leben weist viele Facetten auf. Gegenstand meiner Darstellung ist der musizierende Mensch.